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Review

Hell

Schatten der Nacht

Zwischen Licht- und Dunkelhölle

Schatten der Nacht

Endzeit 2016: Gleißende Hellig­keit. Die Sonne brennt gnadenlos auf die ausge­trock­nete Erde. Drei Menschen – die Schwes­tern Leoni und Marie und der Mann Phillip – in einem alten Auto auf dem Weg in die Berge, wo es Wasser geben soll. Gefahr lauert überall. Eine Tank­stelle wird zur Falle, eine Straßen­sperre zum Verhängnis. Tim Fehlbaum, 28-jähriger Absolvent der HFF München, hat mit seinem Regie­debüt einen fantas­ti­schen Apoka­lypse-Horror­thriller geschaffen. Mit das Span­nendste daran sind die mensch­li­chen Bezie­hungen, die sich unter dem tödlichen Druck der Extrem­si­tua­tion beweisen müssen. Auch ein Schau­spie­l­er­film. Allen voran Hannah Herz­sprung spielt die Marie mit einer unwahr­schein­li­chen Inten­sität, die den Zuschauer in jeder Sekunde fesseln kann. Während diese Frau die Bezie­hungen zu den Männern eher unter prag­ma­ti­schen Gesichts­punkten gestaltet, ist die Liebe und Treue zu ihrer Schwester die eigent­liche Haupt­an­triebs­feder des ganzen Films. Immer wieder riskiert sie für die jüngere Leoni ihr Leben und begibt sich, statt sich selbst zu retten, in klaus­tro­pho­bi­sche Situa­tionen. Die anderen Figuren verhalten sich nicht so eindeutig, sie schwanken, sie zögern, sie machen Fehler, sind egois­tisch, sie über­winden ihre Ängste. Kurz: sie verhalten sich mensch­lich.

Nach einem eher langsamen Beginn, der die verdorrte und nahezu ausge­stor­bene überhelle Tages-Welt zeigt und nach einem kurzen Kampf an der Tank­stelle eine neue Vierer­kon­stel­la­tion mit Tom instal­liert, die das Bezie­hungs­ge­füge dyna­mi­siert, wird das Tempo im zweiten Teil richtig rasant. Jetzt domi­nieren die Schatten der Nacht. Dunkler Wald, eine Bande von Menschen­jä­gern, ein Bauernhof, ein Schlachthof. Nichts für schwache Nerven. Eindeu­tige Horror­an­leihen. Und mitten­drin Angela Winkler als die Bäuerin Elisabeth, die Güte in Person. Zunächst...

Ein Film aus einem Guss. Ein span­nendes Drehbuch mit klarem Aufbau. Über­zeu­gende Figuren, die von tollen Schau­spie­lern umgesetzt werden. Eine sehr variable Kame­rafüh­rung – fantas­tisch zum Beispiel die unglaub­lich dyna­mi­sche Verfol­gungs­jagd über das Feld – die alle Möglich­keiten klug ausschöpft, anstatt sich in einem Stil fest­zu­fahren. Und natürlich an erster Stelle: das Licht. Die geradezu schmerz­hafte Licht­hölle des Tages im Kontrast zur Dunkel­hölle der Nächte. Prägnante Profile im Schat­ten­riss. Dazu die Räume: der verbrannte Wald und die Räume der Angst: ein Tunnel, eine verlas­sene Kirche, ein einsamer Bauernhof, eine enge Kammer usw. Man kann ins Schwärmen kommen, mit welcher hand­werk­li­chen Sicher­heit dies alles durch­dacht und in Szene gesetzt wurde. Natürlich gibt es auch bereits Gesehenes, aus anderen Werken über­nom­mene Szenarien (etwa Cormac McCarthy The Road) und typische Genre­si­tua­tionen, aber die Hand­schrift ist eigen.