Skip to content

Review

Jurassic Park III

Die Dinosaurier werd'n immer schauriger

Die Dinosaurier werd'n immer schauriger

»Oh, oh this is great« jubelt ein kleiner Junge beim ersten Blick auf die Saurier­insel vor Costa Ricas Küste – und zu den felsen­festen Konstanten von Filmen wie Jurassic Park gehört die Gewißheit, dass Sätze wie dieser Unheil herauf­be­schwören. Unbe­grün­dete Fröh­lich­keit, tumber Opti­mismus werden bestraft – das ist die Schöne an der in der Vertrau­en­s­er­schüt­te­rungs­ma­schine namens Mons­ter­kino. Und da es sich kaum um Tierfilme handelt, gehört Jurassic Park ganz bestimmt zu diesem Genre, sein dritter von Joe Johnston gedrehter Teil (im Hinter­grund waltet noch immer der große Märchen­onkel Steven Spielberg), der jetzt in die Kinos kommt, noch mehr als die beiden Vorgänger.

Spätes­tens seit Scream wissen wir, dass Kino-Sequels ihre eigenen Gesetze haben, und dass zum Ende einer Trilogie all diese wieder außer Kraft gesetzt werden. Waren einst Star Wars III oder Das Omen III nur müde Nach­ge­burten, setzte Scream 3 ganz auf Ironie und drehte die Spirale der Selbst­re­fle­xion so lange und so offen weiter, dass es schon wieder gut wurde. Bei Jurassic Park ist das Brett des Plots aber offenbar zu dünn, um weitere Windungen auszu­halten, darum verlegte man sich ganz auf die ursprüng­liche »straight Story« und verzich­tete auf fast alle Orna­mentik.

So plät­schert es vergleichs­weise gradlinig und gelang­weilt dahin: Eine Gruppe von Menschen kehrt aus Dummheit und Leicht­sinn unter Umgehung aller Verbote auf die Saurier­insel zurück, darunter Sam Neill, der als Dr. Alan Grant trau­ma­ti­siert den ersten Teil überlebte. Es sind gerade genug, um schnell die dümmsten von ihnen dem ersten daher­kom­menden Tyran­no­saurus zum Fraß vorzu­werfen, und trotzdem noch eine Geschichte erzählen zu können. Vom Arche­ty­pi­schen und Spie­le­ri­schen der beiden Vorgänger finden sich aber allen­falls noch Spuren­ele­mente, am ehesten noch in den Sauriern selbst. Munter mampfen sie sich durch den Urwald, und sind dabei doch zu über­ra­schend komplexem Verhalten fähig: Sie bauen Fallen für Menschen und betreiben Kommu­ni­ka­tion unter Abwe­senden. Fest­zu­halten bleibt überdies, dass die Natur in jeder Jurassic Park-Folge bedroh­li­cher und unbe­re­chen­barer wird – der einstige Öko-Touch ist ganz verschwunden.

Wem das nicht genügt, dem bleibt zumindest das hübsche Ratespiel, das bei allen noch so schlechten Monster- und Kata­stro­phen­filmen funk­tio­niert: wer muss sterben, wer darf weiter­leben? Im Gegensatz zu manch durch und durch ideo­lo­gi­schem US-Film, der diese Fragen nach (konser­vativ-) poli­ti­schen Kriterien beant­wortet, ist Jurassic Park III simpler gestrickt: suchen wir nach den Unsym­pa­thi­schen und Unauf­merk­samen, suchen wir nach völlig oder halbwegs unbe­kannten Schau­spie­lern in schein­baren Haupt­rollen, und wir wissen die Antwort schnell.

War Jurassic Park 1993 noch in erster Linie ein über­langer Werbe­trailer für die Schönheit der Dinos, also zugleich die Fertig­keiten des Spielberg-Labors »Indus­trial Lights and Magic« der sich sonst ganz auf den Charme seiner Kinder­dar­steller und die Öko-Message des Plots verließ, wirbelte The Lost World: Jurassic Park noch zitat­reich mit alten Vorbil­dern, vor allem aus dem 1931er King Kong, wabert nun ein Hauch von Alien über die Leinwand: Denn selbst der T-Rex kennt Family Values.