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Review

Three Seasons

Ein junges Mädchen, die vom Land in die Großstadt kommt. Jeden Tag verkauft sie dort Blumen, die aus dem Garten eines geheim­nis­vollen Poeten stammen, und viel schöner sind, als die billigen aus den Gewächs­häu­sern. Ein kleiner Junge, der Tand an Touristen verkauft, und damit seinen Vater mit ernährt. Eines Tages ist er kurz unauf­merksam und der Bauch­laden mit allen Waren ist gestohlen. Eine schöne Prosti­tu­ierte, die ihre Freier in teuren Hotels besucht, und darauf hofft, eines Tages aufzu­hören. Der Rikscha­fahrer Hai, der sie immer nach Hause bringt, und sich in sie verliebt. Schließ­lich ein Ameri­kaner. Stoisch sitzt er auf der Straße und beob­achtet ein Gasthaus. Hier traf sich der ehemalige GI vor Jahr­zehnten mit seiner viet­na­me­si­schen Geliebten. Er sucht seine Tochter, die er nicht kennt.

Sechs Menschen aus dem Saigon von heute, sechs Schick­sale, die sich unauf­dring­lich streifen. Tony Buis Film Three Seasons, der als erster ameri­ka­ni­scher Film nach dem Krieg an viet­na­me­si­schen Schau­plätzen gedreht worden ist, bemüht sich um solche Unauf­dring­lich­keit. Weder inter­es­siert ihn ein Episo­den­film, noch die Einzel­heiten seiner in sich abge­schlos­senen Geschichten.

Sein Ziel ist das Portrait verschie­dener reprä­sen­ta­tiver Lebens­lagen seiner Heimat, die er 1975 gemeinsam mit den Ameri­ka­nern, verlassen hat. Nicht zufällig ist daher das Suchen der Figuren das zentrale Motiv, das alle Geschichten verbindet. Man mag es arg harmo­nie­selig finden, dass diese Sehn­süchte am Ende auch in allen Fällen ihr Ziel treffen. Auch politisch kommt Three Seasons über Bana­litäten kaum hinaus. Daher handelt es sich auch nicht um einen asia­ti­schen Neorea­lismus, dafür fehlen die ernst­haften sozialen Stel­lung­nahmen.

Was diesen Film trotzdem zu einem Erlebnis macht, sind einzelne Momente, kurze Situation des Glücks und der Inten­sität, ist die Schönheit seiner märchen­haften Bilder, die einem die Augen öffnen für ein unbe­kanntes Land, und sich zu einem außer­ge­wöhn­li­chen Tableau spontan stimmiger Atmo­s­phären, kleiner tref­fender Augen­blicke mischen.