interview
»Die Konzerne haben im Moment große Angst davor, so zu enden wie die Tabakindustrie«
Andreas Pichlers jetzt auf ARTE gezeigter Dokumentarfilm Alkohol – Der globale Rausch erkundet, warum Alkohol trotz der enormen Folgekosten für die Gesellschaft so erfolgreich ist und welche Rolle Industrie und Politik dabei spielen
Das Gespräch über Pichlers Film führte Sabine Matthes mit Daniel Drepper (Journalist, der mit Sanaz Saleh-Ebrahimi für Correctiv die Recherche Wie die Alkoholindustrie uns dazu bringt, immer weiter zu trinken verfasste), Andreas Pichler (italienischer Dokumentarfilmemacher und Grimme-Preisträger aus Bozen) und Mariann Skar (Generalsekretärin von Eurocare, Brüssel)
Andreas Pichler fasziniert der innere Widerspruch seiner Themen. Er folgte dem Weg eines jungen Jesuiten, der inspiriert durch die Befreiungstheologie von Südtirol nach Bolivien ging, sich einer linken Guerillabewegung anschloss und zum Terroristen wurde. Er hinterfragte die Umstände von Pasolinis Ermordung und nahm dem System Milch seine Unschuld. In seiner neuesten Kinodokumentation Alkohol – Der globale Rausch spricht er mit Wissenschaftlern, Ex-Trinkern und Alkoholproduzenten in Europa, Afrika und USA. Das Genussmittel Alkohol entpuppt sich dabei als clevere und europaweit gefährlichste Droge. Alkoholindustrie, Politik und Konsumenten gehen eine Komplizenschaft der Verantwortungslosigkeit ein – mit desaströsen Folgen für die ganze Gesellschaft. Bis zu 60 Milliarden Euro sind die Folgekosten dieser legalen Drogen-Party in Deutschland – jedes Jahr. Über 200 Krankheiten kann Alkohol verursachen. 23 Millionen Menschen in der EU sind alkoholabhängig. Weltweit sterben 3 Millionen Menschen jährlich an den Folgen des Alkoholkonsums – »alle 10 Sekunden ein Mensch. Das sind mehr als durch Verbrechen, Verkehrsunfälle und illegale Drogen zusammen«, erklärt der Filmabspann. Warum ist Alkohol dennoch so erfolgreich? Welche Rolle spielen Industrie und Politik dabei? Das erkundet der Film.