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Review

Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier

Ravioli aus der Dose

Es gibt sie noch, die Postkarte...

Ravioli aus der Dose

Auch vier Wochen nach seinem Deutsch­land­start ist einer der schönsten, deutschen Kinder­filme der letzten Zeit, Joya Thomes Königin von Niendorf, zwar schon lange in Augsburg, aber immer noch nicht in München ange­laufen. Ein Umstand, an dem auch die Münchner Kino­be­treiber nicht ganz unschuldig sind. Statt­dessen geht es in München mit dem üblichen Konser­ven­fraß weiter, wird lieber sediert, wo schon nicht begeis­tert werden kann. Mauer Eintopf wie Die Biene Maja oder halt Franchise-Ravioli, wie der jetzt unter der Regie von Mike Marzuk startende fünfte Aufguss von Enid Blytons Fünf Freunde.

Schon allein den Namen Enid Blyton zu tippen, bedeutet zermür­bende Wieder­ho­lung, hatte die bis zu ihrem Tod 1968 hoch­pro­duk­tive Autorin doch nicht nur Serien wie die »Fünf Freunde« geschaffen, sondern auch »Hanni & Nanni« und die im deutschen Sprach­raum weniger populären Best­seller »Die schwarze Sieben« und »Noddy«. Dennoch gelang es Blyton immer wieder auch Charak­tere zu schaffen, die einem wie ein erzäh­le­ri­scher Ohrwurm nicht mehr aus dem Kopf gingen. Noch heute muss ich bei Enid Blyton an die Hörspiel­fas­sungen ihrer »Abenteuer«-Serie denken, die mich meine ganze Kindheit über beglei­teten, insbe­son­dere Charak­tere wie den in spani­schem Deutsch rade­bre­chenden Banden­chef aus der »Burg der Abenteuer« und die Kinder, die ihm am Ende dann doch ein Bein stellen.

Die seit den 1970ern pausenlos produ­zierten braven Verfil­mungen fürs Fernsehen unter­scheiden sich quali­tativ kaum von den aufwän­diger insze­nierten Kino­fas­sungen wie etwa Marzuks Fünf Freunde-Reihe – und sind ähnlich erfolg­reich: zwischen 2012 und 2015 erreichten sie mehr als 5 Millionen Kino­be­su­cher. Im Grunde unter­scheiden sich diese Filme nicht allzu sehr von einem Erfolg wie Netflix' »Stranger Things«: eine Gruppe von Kindern löst Probleme, die die Eltern einge­brockt haben und selbst nicht mehr zu lösen im Stande sind. Auch wenn »Stranger Things« diesen Ansatz mit weitaus komple­xeren Mitteln angeht und über das zeit­ge­schicht­liche Kolorit gene­ra­ti­ons­über­grei­fend angelegt ist, so ist beiden Ansätzen doch gemein, dass ein starrer, unver­än­derter Set von »guten« Charak­teren mit einem starren Set von »bösen« Charak­teren um die Wahrheit ringt, und sich dabei vor allem die äußeren Faktoren ändern.

Waren das in Fünf Freunde 4 noch Ägypten samt Mumien & Co., die als Bild­ta­pete die vorher­sebar dahin­tröp­felnde Handlung illu­mi­nierten, so sind es in Fünf Freunde und das Tal der Dino­sau­rier die Skelette von Sauriern, dichte deutsche Wälder und eine gruselige Burg. Als alter­nie­rende böse »Gastrolle« darf dieses Mal u.a. Milan Peschel (als Kurt Weiler) mit dabei sein, der schau­spie­le­risch aller­dings genauso verheizt wird wie alle anderen Erwach­se­nen­rollen. Denn auch hier gilt wie in fast allen anderen deutschen Kinder­pro­duk­tionen der letzten Jahre das Dogma, dass das Böse (und dazu gehören ja irgendwie auch die Eltern) nicht mehr böse, sondern nur mehr völlig deppert und verblö­delt sein dürfen. Gerade bei einem Schau­spieler wie Milan Peschel, der gerade im zeit­gleich anlau­fenden Hauptmann von Robert Schwentke über­ra­gend aufspielt, ist das besonders bitter mit anzusehen.

Alles andere schmeckt dann, wie schon eingangs erwähnt, nach den bekannten Ravioli von Maggi, die jeder irgend­wann schon einmal auf einer Camping­tour in sich hinein­ge­stopft hat: vertraut, bekannt, lang­weilig, und nur im Notfall zu genießen.