kunst_article
reihe
kunst neben neuen kleidern
‘Art Supermarket’ - was
fällt einem dazu ein? - Kunst zu Discountpreisen, Kunst
als Ware, wa(h)re Kunst? - Alles ziemlich abgegriffen, jedenfalls
kein Grund mehr, sich darüber aufzuregen. Natürlich
ist Kunst - auch - eine Ware, die ihren Preis hat. Die andere
Frage ist: muß sie deshalb auch entsprechend präsentiert
werden? Muß sie unbedingt in Gitterregalen lagern, mit
einem Preisschild etikettiert und mit dem Hinweis „This is not
a print!“, damit auch Hinz und Kunz merken, daß sie es
hier mit etwas ganz wertvollem, mit Originalen zu tun haben?
Kann nur so der Zugang zur Kunst demokratisch gewährt werden,
indem eine Kaufhausecke damit vollgepfropft wird?
Genug der
Fragerei, stattdessen die klare Feststellung: Jein. Was das Kaufhaus
Ludwig Beck seit dem 2.April für München aus England
„herübergeholt“ und neben die teure Damenbekleidungsabteilung
verfrachtet hat, könnte positiv sein. Es ist ja doch wahr,
daß sich in Galerien immer die gleichen herumtreiben und
es wird dort auch nur ein spezifisches Publikum angesprochen.
Außerdem gibt es in der Kunstecke bei Beck vor allem junge
Künstler zu kaufen, die von einer Galerie vielleicht zum
Teil noch gar nicht vertreten werden oder werden würden.
Anzuerkennen ist auch die Beschränkung auf Originale, d.h.
auf Zeichnungen, Aquarelle, Ölbilder. Auch die Aufmachung
à la Supermarkt ist irgendwie ganz nett, wenn sie bloß
nicht so rigide Vorgaben zur Folge hätte. Denn ausgewählt
wurden die Werke wohl offensichtlich danach, ob sie in die genormte
Kunsttüte passen. Konservatorisch bedenklich die senkrechte
Warenlagerung, die die Tüten samt Inhalt ziemlich durchbiegt.
Und dann die Preise: ab 450 bis 1500 DM: für Originale zwar
o.k., aber nicht wirklich basisdemokratisch. In einem Kunstsupermarkt
in Madrid fast identischer Aufmachung - es muß sich wohl
um eine Kette handeln - fingen die Preise, einem Supermarkt angemessen,
ab ca. 130 DM an.
Ein Geschäft wird es sicherlich, denn
die Idee zielt auf die Sehnsucht nach dem Original ab, und hier
hindert wirklich nicht einmal fehlendes Kunstverständnis
den Erwerb. Keine Angst, Beratung gibt es keine, „man sucht sich
was aus und geht damit direkt an die Kasse“, wie ein Vertreter
des Kaufhauses Beck erläuterte. Und wenn man gerade lustig
ist, kauft man sich gleich daneben eine passende Bluse oder einen
Rock. Oder wählt man das Bild nach den neuen Frühjahrsfarben
aus? Oder, warum hängt man sich eigentlich nicht gleich
ein Jacket über das Sofa? (bis Ende Juni im dritten Stock
bei Ludwig Beck, Marienplatz)
milena
greif
Nicht immer sind einem
die Ursprünge der christlichen Feste noch allzu gegenwärtig.
Wenn
man sich der Wurzeln des Osterfestes wieder einmal bewußt
werden will, kann man das auf angenehme Weise mit einem Gang
durch die alte (neue) Pinakothek tun.
Neben zahlreichen Darstellungen
aus der Passion Christi (z. B. die "Grablegung Christi" von Peter
Paul Rubens oder der "Kreuzigungsaltar" von Hans Burgkmaier)
gibt es nur zwei Gemälde, die die Auferstehung Christi,
das Osterthema schlechthin, zeigen.
Zum einen ist es der altniederländische
Maler Dieric Bouts, der sich mit dem Thema beschäftigt hat,
und zum anderen der junge Rembrandt.
Bouts schildert seine
Auferstehung auf ganz klassische Weise (ca. 1450). Ein Engel
verweist auf den auferstandenen Christus, der soeben aus dem
offenen Sarg gestiegen ist. Er hält die eine Hand zum Segensgestus,
während die andere Hand die Kreuzesfahne umgreift. Erschrockene
Wärter nehmen zwar Kenntnis von der Gestalt Jesu, veranlaßt
sie aber nicht, ihre kompliziert wirkenden Haltungen zu "entknoten".
Helles
Licht und eine weiträumige Landschaft demonstrieren das
Positive des Geschehens.
Christus erscheint nicht als göttliche Gestalt, die den Tod überwunden hat, sondern - im Gegenteil - er lugt ganz menschlich verschlafen und eher noch erstaunt über das ihm Geschehene aus dem Sarg heraus. Auch steht er noch nicht aufrecht, sondern hat gerade mal den Oberkörper erhoben. Dabei macht er beinahe den Eindruck, als würde er aufgrund der übermächtigen Lichtgestalt des Engels lieber wieder in den noch offenen Sarg zurücksinken, anstatt sich ganz aus ihm herauszuschälen. Noch stärker als Christus sind aber die Wärter von dem hell erstrahlendem Engel überrascht worden. Sie purzeln in wildem Durcheinander durch die Luft, geradezu so, als hätten sie zuvor auf und nicht neben dem Sarg geschlafen.
Rembrandt weist mit seiner Darstellung der Auferstehung zwar auch auf die Bedeutung des Geschehens hin, hebt aber - ganz im Gegenteil zu Dieric Bouts - die menschlichen Züge Christi hervor, die bei Bouts zugunsten der korrekten ikonographischen Bearbeitung des Themas ganz verschwunden sind.
Unterschiedlicher als von den beiden niederländischen Malern hätte das Thema also kaum behandelt werden können.
Christine Walter
frühlingserwachen
Gentle Spring (1863-65)
von
Frederick Sandys (1829-1904)
(Eine Betrachtung anläßlich des Frühlings und der Ausstellung englischer Symbolisten im Haus der Kunst)
Es ist Frühling. Die Apfelbäume blühen, die Pusteblumen verstreuen ihre erste Saat und über allem ragt die volle Blüte des Mohns. Inmitten eines blühenden Gartens steht die allegorische Gestalt des Frühlings, statuarisch und in ein loses Gewand gehüllt, unter dem sich die volle Brust abzeichnet. Blütenblätter liegen im Schoß ihres Kleides und verstreut am Boden zu ihren Füßen.
Wiedergeburt und Regeneration der Natur, Verführung zu sinnlicher Liebe, so möchte man meinen und sich ganz der Künstlichkeit dieses Frühlingstraums hingeben. Doch im Hintergrund drohen bereits die Wolken eines nahenden Gewitters. Sie bilden die Folie für das mit Blumen geschmückte und von herzförmigen Schmetterlingen umgebene Haupt des Frühlings, das bei aller Lust im entrückten Blick und im geöffneten Mund, dann doch auch ein bißchen wehmütig erscheint. Und so erzählt das Bild beim zweiten Hinsehen vielmehr vom Werden und Vergehen, vom zyklischen Ablauf der Natur, wie er sich in der Symmetrie des Bildaufbaus spiegelt, aber auch von ihrer Wechselhaftigkeit und Launenhaftigkeit, von unserem vergänglichen Leben und von der Kurzlebigkeit der Liebe. Die Blumen sind reif, Pollenstaub durchzieht die Luft. Bald werden auch sie vergehen, wie die auf Gewand und Boden verstreuten Blüten. Und während das Haupt des Frühlings noch in jugendlicher Blüte steht, scheint ihr Körper bereits zu Stein erstarrt. Die Mohnblüte ist ein Symbol des Todes.
Die statuenhafte Erscheinung der Frauengestalt unterstützt zugleich die Künstlichkeit der Landschaft. Dem Maler geht es nicht um die sichtbare, mit Sinnen erfahrbare Natur, um Natürlichkeit im weitesten Sinne, sondern um die Künstlichkeit des Lebens und die Lebendigkeit der Kunst.
Wir erinnern uns an die Geschichte des Bildhauers Pygmalion aus Ovids Metamorphosen , ein beliebtes Thema der englischen Symbolisten, zu denen auch Frederik Sandys gezählt wird. Pgymalion hatte das Standbild einer Frau gefertigt, „die schöner war als je eine gesehen worden war, und er verliebte sich in das von ihm geschaffene Werk, als ob es voller Leben wäre; deshalb flehte er Venus um Hilfe an, und sie erfüllte seinen Wunsch. Sie hauchte dem Standbild Leben ein und verwandelte es in eine Frau, die Pygmalion heiratete.“ Der Pygmalion-Stoff kündet von dem dringenden Bedürfnis der Zeit, die Grenze zwischen Kunst und Leben aufzuheben, die Werke des Menschen künstlich zu beleben oder ihnen im Medium der lebendigen, subjektiven Anverwandlung das Leben wiederzuschenken.
Das Interesse dieser Künstler, von denen eine repräsentative Bildauswahl derzeit im Haus der Kunst zu sehen ist, galt den Realitäten hinter der sichtbaren und faßbaren Realität: dem Unbewußten, dem Traum, dem Rätselhaften und Geheimnisvollen, dem Reich der Imagination und der Kunst - vor allem aber der Frau. Ihre Rätselhaftigkeit und die Undurchschaubarkeit ihrer Sexualität wurde für diese Maler zum Symbol des Rätsels der Welt schlechthin. Ganz wie der Tod. Und so sind die begehrtesten Frauen von schwacher Natur, Mittler zwischen Lebenden und Toten. Ihre Todesnähe bannt zudem die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Gefährlich ist allerdings nicht mehr die Verführung zur Sinnlichkeit im Sinne christlicher Sünde, sondern im Sinne einer Abhängigkeit des Mannes von einer selbstgenügsamen, naturhaften, sich selbst regenerierenden Frau. Als leblose Statue ist die Frauengestalt in unserem Bild gebannt, ihre natürliche, selbstregenerierende Kraft zugleich gefesselt.
Über der Landschaft spannt sich ein Regenbogen, als Vermittler zwischen Himmel und Erde, zwischen Unbekanntem und Bekanntem, zwischen Kunst und Natur, zwischen Mann und Frau.
Imke Bösch
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milena greif
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besprechung
von milena greif
Was Sie keinenfalls versäumen sollten!